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Zwischen Anspruch und Alltag - Warum die Kreislaufwirtschaft mehr als politische Rhetorik braucht

Die Kreislaufwirtschaft ist in der Mitte der politischen und gesellschaftlichen Debatte angekommen – zumindest auf dem Papier. Sie steht im Zentrum aktueller Umwelt- und Ressourcendebatten – und findet zunehmend Eingang in politische Strategien und in die Gesetzgebung. Der Koalitionsvertrag 2025 bildet dabei einen wichtigen Rahmen: Er definiert die politischen Zielsetzungen für die kommenden Jahre und benennt die Kreislaufwirtschaft als „zentralen Pfeiler der Ressourceneffizienz“.

Für die ASA ist dieser Vertrag daher ein logischer Ausgangspunkt, um die aktuellen Entwicklungen zu bewerten und kritisch zu hinterfragen, ob Anspruch und Wirklichkeit tatsächlich zusammenfinden. Denn die Herausforderungen sind konkret und alltäglich: auf dem Wertstoffhof, in Sortieranlagen, bei der rechtlichen Bewertung von Abfallströmen und nicht zuletzt im Umgang der Bürgerinnen und Bürger mit Ressourcen.

Die Praxis verdeutlicht, wie groß die Diskrepanz zwischen politischen Zielsetzungen und operativer Realität oft ist. Hier offenbart die rechtliche Bewertung von beispielsweise Siebüberläufen seit Jahren bestehende Unsicherheiten, die es dringend zu vermeiden gilt. Sind sie Abfall zur Verwertung oder zur Beseitigung? Welche Anforderungen gelten für die Zwischenlagerung? Und wie lassen sich ökologische Zielsetzungen mit wirtschaftlicher Realität in Einklang bringen? Ähnliche Fragen stellen sich bei der Behandlung von Bioabfällen, deren Potenzial für Ressourcenschonung und Energiegewinnung unbestritten ist – deren Erfassung und Qualität jedoch stark schwankt. Beim Thema Brandschutz zeigt sich, wie tiefgreifende strukturelle Probleme oft nur oberflächlich angegangen werden. Statt einer Ursachenanalyse und tragfähigen Lösungskonzepten wird an Symptomen gearbeitet – etwa durch technische Nachrüstungen oder kostenintensive Einzelmaßnahmen. Gleichzeitig droht sich die Versicherungswirtschaft angesichts wachsender Risiken zunehmend zurückzuziehen. Das ist alarmierend: Denn ohne ganzheitliche Strategien und klare Verantwortlichkeiten bleibt die Branche in einem Zustand fortwährender Unklarheit und struktureller Orientierungslosigkeit.

Der Koalitionsvertrag setzt wichtige Impulse für eine nachhaltigere Ressourcenpolitik – aber sind die Ansätze realistisch? Die Integration des chemischen Recyclings in die Abfallhierarchie, die gezielte Förderung des Rezyklateinsatzes sowie die Reform des Verpackungsgesetzes markieren ambitionierte Vorhaben.

Auch die Batterieproduktion und das Recycling kritischer Rohstoffe sollen gestärkt werden – ein Schritt, der angesichts globaler Lieferketten und geopolitischer Spannungen längst überfällig ist. Doch bei genauerer Betrachtung bleibt vieles vage. Konkrete Zielvorgaben, verbindliche Zeitpläne oder klar definierte Zuständigkeiten fehlen bislang vollständig. Das angekündigte Eckpunktepapier zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie ist ein wichtiges Signal – aber ohne messbare Zielvorgaben droht es, im politischen Tagesgeschäft zu verblassen.

Die Transformation zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft braucht mehr als nur gute Absichten: Sie erfordert Mut zur Umsetzung, klare Rahmenbedingungen, eine verlässliche Vollzugspraxis und einen Dialog auf Augenhöhe bei einer stärkeren Verzahnung von Politik und Wirtschaft in der kommunalen und privaten Realität. Gleichzeitig wird über den Bürokratieabbau diskutiert – etwa durch die Reduktion von Schulungs- und Dokumentationspflichten. Aus Sicht der ASA ist das ein gefährlicher Weg: Denn wo Kontrolle und Fachwissen fehlen, entstehen Unsicherheiten – und im schlimmsten Fall Risiken für Mensch und Umwelt.

Was im Gesetz steht, muss auch auf dem Wertstoffhof funktionieren – sonst bleibt Kreislaufwirtschaft Theorie. Kreislaufwirtschaft braucht Haltung im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen, und im Sinne eines politischen Willens zur echten Transformation.

Wir laden Sie ein, diese Themen mit uns weiterzudenken. Denn Kreislaufwirtschaft ist kein Selbstläufer.

Sie ist ein Anspruch – an uns alle.

Ihre Katrin Büscher und Ihr Sebastian Koch

Zwischen Anspruch und Alltag Warum die Kreislaufwirtschaft mehr als politische Rhetorik braucht (Editorial Müll ud Abfall 10/2025)

Ihr Kontakt.

Sebastian Koch
Vorsitzender

Geschäftsführer der AbfallWirtschaftsGesellschaft mbH Bassum
Ein Profilbild von Sebastian Koch

Über diese Meldung.

Veröffentlicht am: 09. September 2025

Relevante Themen:
Kreislaufwirtschaft